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Im Alter zuhause wohnen geht auch ganz anders

Architekten, Planer und Gemeinden entwickeln laufend neue Ideen, wie Menschen im fortgeschrittenen Alter leben können. Dabei verfolgen sie ein zentrales Anliegen: Die ältere Generation soll an einem Ort zuhause sein, wo sie das Miteinander und den Austausch pflegen und die wertvolle Lebenszeit geniessen kann.

Geschrieben am 17. Dez. 2020

Kurzübersicht

  • Früher war nicht alles besser
  • Die neuen Wohnformen für Seniorinnen und Senioren
  • Unkonventionelle Wohnprojekte für Menschen ab 60+
  • Selber die Initiative ergreifen
  • Links und Hinweise

Der Mythos von der Grossfamilie

Die Vorstellung, dass früher die so genannt Alten im Schosse der Grossfamilie ihre letzten Jahre verbrachte, ist heute widerlegt. Selbst das Stöckli als romantischer Ruhesitz muss relativiert werden, denn es war vor allem Lagerraum und Ofenhaus, oft Unterkunft für Mägde und Knechte und nur selten Wohnsitz der alten Bauersleute. Tatsache ist, dass die meisten Menschen bis an ihr Lebensende arbeiten mussten, um ein Dach über dem Kopf zu haben. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Mehr noch, dem Wohnen im Alter wird mit innovativen Konzepten zunehmend Rechnung getragen.

Selbständig wohnen – gut aufgehoben

Worauf Sie achten müssen, wenn Sie eine neue Wohnung oder ein Eigenheim ziehen, wo Sie das Alter verbringen möchten, haben wir im Artikel Altersgerechte Wohnformen machen Schule thematisiert. In diesem Artikel möchten wir das Augenmerk auf neue Wohnkonzepte richten, bei denen in besonderer Weise auf die Bedürfnisse älterer und alter Menschen eingegangen wird. Dazu gehören die Mehrgenerationenhäuser, in denen Seniorinnen und Senioren mit jungen Familien und Singles unter einem Dach leben. Das fördert das Verständnis zwischen den Generationen, und ist eine Bereicherung für alle vom Knirps bis zur Oma. Zunehmend beliebt sind auch Clusterwohnungen und Alters-WGs. Diese funktionieren ganz gut, weil jede und jeder über einen privaten Rückzugsort – das können eines oder mehrere Zimmer mit eigenem Bad und WC sein – verfügt. Herzstück bilden Gemeinschaftsräume, die als Treffpunkte dienen. Hier wird gemeinsam gekocht, man holt sich Rat ein, feiert und lacht. Ein Konzept, das ebenfalls Beachtung verdient, sind Alterswohnungen, die bedürfnisorientierte Dienstleistungen anbieten.

Diese modernen Wohnformen zeichnen sich neben einer barrierefreien Architektur, einer zentralen Lage und einer guten Anbindung an den ÖV durch die Förderung des Miteinanders aus. Wir haben einige dieser innovativen Projekte, die in der Schweiz für Aufsehen sorgen, herausgepickt. Begleiten Sie uns auf eine kleine Entdeckungsreise zu fünf spannenden Wohnformen für Seniorinnen und Senioren.

Wohnoasen von Schaffhausen bis ins Bündnerland

Rüdlingen SH: Grossfamilie einmal anders

Das historische Wirtshaus Rebstock steht mitten im Dorfkern der idyllischen Schaffhauser Gemeinde. Mit elf Einheiten für altersdurchmischtes Wohnen wird das Zusammenleben unterschiedlicher Generationen gefördert. Für den Austausch zwischen Alt und Jung stehen die ehemalige Gaststube, ein Kulturraum im umgebauten Stall und der Garten zur Verfügung. So entsteht eine Grossfamilie der etwas anderen Art.

Andeer GR: Medizinische Versorgung ganz nah

Das «Haus Spada» vereint 13 Alterswohnungen, eine Arztpraxis, eine Apotheke sowie den Spitex-Stützpunkt unter einem Dach. Das Gebäude befindet mitten im Ort, damit der Kontakt zur Bevölkerung sichergestellt ist. Das Projekt kombiniert in idealer Weis selbständiges Wohnen mit einer medizinischen Versorgung direkt im Haus.

Näfels GL: Alterswohnungen mit «Hauswart»

Im Dorfkern stehen mehrere geschützten Häuser mit elf altersgerechten Wohnungen, zu denen so genannte «Hauswarte» gehören. Diese übernehmen nicht nur Reinigungs- und Reparaturarbeiten, sie sind auch Anlaufstelle, Ratgeber, Vermittler und leisten im Notfall Hilfe.

Stadt Bern: Alterswohnungen mit Frauenpower

Die Alterssiedlung Zähringer – die Bauten stammen von 1956 – ist ein Sonderfall, denn die 33 Wohnungen sind ausschliesslich Seniorinnen ab 60+ vorbehalten. Erfreulicherweise sind die Mieten auch nach der Renovation moderat geblieben. Mit dem Gemeinschaftsraum, dem Restaurant, einem Nachbarschaftsbüro und einer Sonnenterrasse wird hier aktiv dafür gesorgt, dass niemand vereinsamt.

Rüti ZH: Service inbegriffen

Das Zentrum Bruggacher im Zürcher Oberland verfügt über 31 Seniorenwohnungen mit einem Service- und Sicherheitskonzept. Dabei nutzen die Bewohnerinnen und Bewohner ein Basisangebot, das sie je nach Bedarf erweitern können. Das Besondere dabei ist, dass geschützte Arbeitsplätze in das Modell integriert sind. So profitieren die ältere Generation und Menschen mit Beeinträchtigung auf wunderbare Weise voneinander.

Selber aktiv werden ist gar nicht so schwer

Leider hat das Umdenken noch nicht überall stattgefunden. Aber warum nicht selber die Initiative ergreifen und mit zwei oder mehr Best Agern eine eigene Alters-WG gründen? Bei Bedarf engagieren Sie zuhause eine Betreuung und teilen sich sowohl die Miete als auch die Kosten für eine externe Unterstützung. Wenn Sie Ihr liebgewonnenes Haus nicht verlassen möchten, können Sie ein paar bauliche Anpassungen vornehmen und einen Teil vermieten. Etwa an eine junge Familie – und schon haben Sie Ihr persönliches Mehrgenerationenhaus realisiert. Oder Sie entscheiden sich für eine Person im ähnlichen Alter, mit der Sie sich zu Schachpartien treffen, gemeinsam kochen oder den Garten bestellen, damit im Sommer alles grünt und blüht.