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Betreuung und Pflege – wo liegt der Unterschied?

Die beiden Begriffe Betreuung und Pflege werden oft in einem Atemzug genannt, obwohl es klare Unterschiede gibt. Doch welches Leistungsspektrum deckt die Betreuung ab und welches die Pflege, wer braucht welche Form von Unterstützung, und wie unterscheiden sich die beiden Dienstleistungen in Sachen Kosten? Unsere Redaktion hat die Begriffe etwas genauer unter die Lupe genommen.

Geschrieben am 27. Okt. 2020

Betreuung zuhause – Unterstützung im Alltag

Die überwiegende Mehrheit der Seniorinnen und Senioren möchte nicht in ein Heim. Die eigenen vier Wände sind ihr Reich, die Umgebung ist ihnen vertraut, sie kennen die Nachbarn, das Büsi von gegenüber. Doch was, wenn der Alltag zur Last wird und selbst einfache Arbeiten kaum mehr bewältigt werden können?

Hier bringt meist schon eine stundenweise Betreuung durch eine Fremdperson die notwendige Entlastung, damit diese Menschen im gewohnten Umfeld bleiben und sich somit ein wichtiges Stück Lebensqualität erhalten können. Eine Betreuungsperson ist eine Art «gute Fee», die überall anpackt, wo Not an der Frau oder am Mann ist. Sie sorgt für Sauberkeit, macht die Wäsche, kauft ein, kümmert sich um das geliebte Haustier, zaubert ein feines Essen auf den Tisch und begleitet ihre «Schützlinge» zum Arzt oder in den Park.

Eine Betreuung zuhause ist sehr individuell

Im Gegensatz zu einer Putzfrau, die ebenfalls das Notwendigste erledigen kann, sorgen sich Betreuerinnen und Betreuer auch um das mentale und psychische Wohl. Sie nehmen Anteil am Leben der ihnen anvertrauten Menschen, lesen ihnen aus Zeitungen oder Büchern vor, besuchen mit ihnen Konzerte oder unternehmen Ausflüge mit ihnen. Da jeder Mensch andere Bedürfnisse hat, müssen diese Alltagsbegleiterinnen und -begleiter in der Lage sein, individuell auf ihr Gegenüber einzugehen.

Wenn man an Betreuung zuhause denkt, kommen einem zuerst Betagte und Menschen mit Behinderung in den Sinn. Es ist zwar richtig, dass sie den Grossteil ausmachen, aber auch Erwachsene, die mitten im Berufsleben stehen, nutzen dieses Angebot. Etwa für die erste Zeit nach einem Unfall oder einer Operation. Betreuungsdienste sind flexibel und können je nach Bedarf gebucht werden: stundenweise, rund um die Uhr, das ganze Jahr über oder – um ein Beispiel zu nennen – während einer Ferienabwesenheit, wenn man sichergehen möchte, dass die Eltern in dieser Zeit gut versorgt sind.

Entlastung und Sicherheit für alle

Natürlich kann man sich selber um den betagten Vater oder die demente Lieblingstante kümmern. Doch neben Beruf, Familie und anderen Verpflichtungen zehrt eine solche Doppelbelastung schnell an den eigenen Kräften. In diesen Situationen sorgt eine Betreuung während drei bis vier Stunden pro Woche für eine enorme Erleichterung. Zudem ist es für alle weitaus erfüllender, wenn man sich während eines Besuchs mit den Eltern, der Tante oder dem Freund unterhalten kann, statt mit dem Staubsauger herumzudüsen und Einkäufe zu erledigen.

Überdies gibt die Anwesenheit einer Betreuerin oder eines Betreuers den Angehörigen Sicherheit. Denn sie wissen, dass da jemand ist, der dem geliebten Menschen nicht nur zur Hand geht und ihm Gesellschaft leistet, sondern im Notfall die richtigen Massnahmen einleitet.

Pflege zuhause – medizinisch gut versorgt

Sobald pflegerische oder medizinische Leistungen notwendig werden, stösst die Betreuung an ihre Grenzen. Dies ist bei chronischen Erkrankungen, gesundheitlichen Problemen und reduzierter körperlicher Verfassung aufgrund des Alters sowie bei Palliativpatienten und Menschen mit psychischen Leiden der Fall. Im Abschnitt «Krankenpflege ambulant oder im Pflegeheim» schreibt die schweizerische Krankenpflege-Leistungsverordnung (KVG) klar vor, dass nur qualifiziertes Personal Pflegeleistungen erbringen darf. Pflegefachkräfte sind der verlängerte Arm der Ärzte und Ärztinnen und führen deren Anweisungen aus. Ohne entsprechende Ausbildung könnten sie diese anspruchsvolle Arbeit unmöglich erfüllen. Doch sie sind nicht nur in der Lage, die Patienten kompetent zu behandeln, sie merken auch, wenn sich etwas zum Schlechten verändert hat, und können die entsprechenden Schritte einleiten.

Das körperliche Wohl steht im Zentrum

Zum Leistungsspektrum der ambulanten Pflege zuhause zählen Injektionen und Infusionen, die Messung der Vitalzeichen (Puls, Blutdruck) und des Zuckers, die Versorgung von Wunden und die Verabreichung von Medikamenten. Ausserdem helfen die Pflegefachkräfte bei Mobilisierungen und bieten Fahrdienste an. Und nicht zuletzt sind sie eine Stütze bei der täglichen Hygiene, waschen, duschen und baden die Pflegebedürftigen und können sich so auch ein Bild von allfälligen Hautproblemen machen. Keine dieser Tätigkeiten darf von einer Betreuungsperson ausgeführt werden, wenn ihre Arbeitgeberin keine Spitex-Bewilligung besitzt.

Das Angebot der Pflegedienstleister wird ergänzt durch die Möglichkeit, Geräte wie etwa einen Rollstuhl oder einen Rollator zu mieten. Das zahlt sich aus, wenn man nur kurzfristig auf diese Hilfsmittel angewiesen ist.

Die Kosten der Pflege zuhause sind durch die Grundversicherung gedeckt.

Unterschiede in der Finanzierung

Ein gewichtiger Unterschied zwischen Betreuung und Pflege betrifft die Kosten. So ist die Pflege zuhause durch die Grundversicherung der Krankenkassen gedeckt. Allerdings ist die Dauer der Leistungen sehr knapp bemessen, und für das Zwischenmenschliche bleibt deshalb kaum Zeit. Auch die Pflege zuhause kann individuell gebucht werden, sei dies stunden- oder tageweise, nachts oder am Wochenende. Je höher der zeitliche Aufwand für die Pflege – und allenfalls auch für eine Betreuung durch Mitarbeitende einer Spitex-Organisation – ausfällt, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Krankenkasse die ganzen Kosten übernimmt.

Die Betreuung zuhause muss grundsätzlich selber finanziert werden, wobei sich die Höhe der Kosten in gewissen Fällen durch Unterstützungsbeiträge und eine entsprechende Krankenkassen-Zusatzversicherung – etwa für hauswirtschaftliche Tätigkeiten – senken lässt. Allerdings reicht bei der überwiegenden Mehrheit der Seniorinnen und Senioren eine Betreuung von etwa vier Stunden pro Woche aus, damit sie in ihrem Zuhause gut zurechtkommen.

Eine ideale Ergänzung

Oft brauchen ältere und betagte Menschen neben der häuslichen Unterstützung auch eine ambulante medizinische Versorgung. Da sich die beiden Dienstleistungen Betreuung zuhause und spitalexterne Pflege ideal kombinieren lassen, haben auch diese Menschen die Wahl, ob sie ins Altersheim wechseln oder doch lieber an jenem Ort bleiben wollen, wo sie ihre Wurzeln haben.